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Ich habe eine „bata de cola“ gehäkelt.
Die Idee dazu entstand, als ich die „Handarbeiten“ Pilar Albarracins sah (Danke Julia Petschinka fürs Vor-Stellen!). Sie nutzt in vielen ihrer Werke die Stickerei.
Ich kann nicht sticken. Aber ich kann stricken und häkeln. Schon seit ich ein Kind im Grundschulalter war, konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen, Schals, Pullover, Kleider, Hosen etc. für mein Lieblingskuscheltier anzufertigen.
Später handarbeitete ich dann Teile für meine Freundinnen oder mich. Das mache ich immer noch.
Am liebsten habe ich es, wenn ich dabei ein Hörbuch hören kann. Dazu gibt es meist Tee.
Ich habe festgestellt, dass mich Handarbeiten entschleunigt. Das Stück, an dem ich arbeite, kann nur gelingen, wenn ich langsam und ruhig arbeite. Wenn ich etwas schnellschnellschnell machen will, misslingt es mir. Jede Masche braucht ihre Zeit.
Masche für Masche
Und ebenso ergeht es mir mit Flamenco.
Jede Bewegung braucht ihre Zeit.
Jeder Schritt braucht seine Zeit.
Schritt für Schritt
Und als mir das klar wurde, entstand die Idee, eine „bata de cola“ zu häkeln.
DIE „bata de cola“ – mir erscheint, dass sie eine königliche Aura umgibt.
Wenn von IHR gesprochen wird, erklingt in meinen Ohren etwas ehrfürchtig Gewispertes, ein verzücktes Raunen…
Sie ist schon etwas Eigenartiges.
So etwas wollte ich anfertigen.
Gestrickte Maschen würden die Schleppe nicht halten können. Deswegen habe ich gehäkelt.
Und um die Gestaltung eines Nacheinanders und des Entfaltens nicht nur im Nacheinander der Maschen zu zeigen, habe ich diesen Gedanken auch in den Farbverlauf aufgenommen.
Ich beginne mit der Grundlage: den Primärfarben. Und so wie sich aus jedem Schritt – einem Golpe, einem Tacon, einer Punta – und ihrer Kombination weitere Schritte entwickeln, so entwickeln sich aus der Kombination bzw. Mischung der Primärfarben die Sekundär- und auch die Tertiärfarben. Und auch daraus ergeben sich unendlich erscheinende weitere Möglichkeiten.
Bei der bata habe ich mich auf die Primärsekundärtertiärfarben in Streifen beschränkt.
Das „Häkelstück“ ist fertig.
Flamenco ist für mich wahrscheinlich nie fertig.
Ich lerne immer weiter. Ein Golpe zum Beispiel:Darin ist mehrenthalten als ein Schlag auf den Boden. Es ist mehr als die Bewegung des Fußes. Es ist eine Bewegung des ganzen Beins, der Muskeln und Gelenke, die wiederum durch die Faszien mit dem Rest des Körpers verbunden sind.
Mein ganzer Körper ist beteiligt. Und da mein Körper nicht von meinem Geist getrennt ist, ist diese anscheinend kleine Bewegung meines Fußes, eine Bewegung meines Leibs.
Dieser, mein, Leib verbindet alle Zeiten – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Tanzen kann ich nur JETZT.
Mache ich mir Gedanken über das Tanzen und die Bewegung(en), tanze ich nicht. Ich bin dann ja damit beschäftigt, mir Gedanken zu machen.
Ich muss es tun.
So ist es übrigens beim Häkeln auch . Eine Masche, die ich denke, ist nicht sichtbar. Ich muss sie häkeln, ich muss es tun.
(Im Gegensatz zum Tanz bleibt sie jedoch sichtbar, wenn sie einmal gehäkelt wurde. Oder doch nicht?!).

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