Zum Inhalt springen

„Anmut und Würde“ – ein Besuch in der Fabrik Heeder

Vor zwei Wochen war ich in der Fabrik Heeder, um mir ein Stück der Cooperativa Maura Morales anzuschauen. Endlich einmal! So oft ist mir diese Choreografin und Tänzerin bei meinen Internetspaziergängen durch die Tanzwelt schon begegnet und ich war sehr neugierig.

„Anmut und Würde“ wurde im Rahmen der „Krefelder Tage für modernen Tanz“ in der Bühnenfassung gezeigt. Im Sommer kreierte Maura Morales dieses Stück für den Platanenhain des Schönwasserparks in Krefeld. Teil der Auftragsarbeit ist es, im Herbst ein Bühnenstück zu zeigen. Die „Cooperativa Maura Morales“ hat sich der Herausforderung gestellt, ein Stück, das für den öffentlichen Raum entwickelt und darin gestaltet wurde, in den Bühneraum zu pflanzen.
Tatsächlich spielte dies für mich keine besondere Rolle. Es mag daran liegen, dass ich die „Schönwasserpark-Version“ nicht sehen konnte.
Die GestalterInnen der Cooperativa entschieden sich dafür, den Rand des eigentlichen Bühnenraums auch als ZuschauerInnenraum zu nutzen, so dass sich eine von ZuschauerInnen eingerahmte Bühne ergab, die für mich an Offenheit gewann. Gut, ich mag es eh sehr, wenn die Grenze verschwimmt, wenn sich das Publikum in Bewegung versetzen muss, um den TänzerInnen folgen zu können.
Ich fühlte mich bewegt und beteiligt.
Die drei ausdrucksstarken Tänzerinnen und der Musiker Michio Woirgardt haben von Beginn an meine Aufmerksamkeit erregt und ich habe mich in keinem Augenblick gelangweilt.
Michio Woirgardt spielt die für das jeweilige Stück komponierte Musik live auf der Bühne. Und er nutzt so ziemlich alles, was Klänge erzeugen kann. Ich habe ihn und seine Klangmusikgestaltungen bisher eher in flamencoesquen Zusammenhängen erlebt – und wenn ich nicht eh schon ein Fan gewesen wäre, wäre ich es spätestens seit dem 20.10.1018. Er wirkt wie ein aufmerksamer Begleiter, immer in Kontakt mit den sich auf der Bühne bewegenden Gestalten.
Drei Gestalten. Drei Tänzerinnen – die allein, zu zweit, zu dritt tanzten. Sie nutzten dabei den ganzen Raum, alle Wege, alle Levels, die möglich waren – in Kurven, direkt, mit Umwegen.
Was mich am meisten faszinierte war die Qualität der Bewegungen, die manchmal schon absurd verdreht und verwinkelt wirkten. Für mich ergaben sich dadurch Brüche in den Körpern. Es war wie die Entdeckungsreise der Bewegungsmöglichkeiten der Gelenke. Es gab kleine Bewegungen, sehr nah am Körper. Und es gab auslandende Bewegungen, die von der Nähe in die Ferne, in den Raum zu weisen schienen.
Ich mochte die rasanten Wechsel sehr gern. Von langsam zu schnell, von nah zu fern, von intim zu öffentlich, von zärtlich zu brutal, von keusch zu vulgär, von schützend zu bedrohlich und immer, immer war es leiblich…

Es war ein Erlebnis.

In zwei Wochen werde ich „Every Body Electric“ von Doris Uhlich im tanzhaus nrw anschauen. Ich gespannt was ich dort erleben werde.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.